Norwegen Rundreise – Kap Lindesnes – Sandnes

Dieser Beitrag ist Teil 3 von 3 aus der Serie Norwegen 2025

Der erste komplette Tag in Norwegen beginnt für uns mit einer gemütlichen Fahrt Richtung Sandnes. Wir lassen uns treiben, genießen die Landschaft und halten überall dort an, wo es uns spontan gefällt. Obwohl Cookie inzwischen umgebaut ist und wir dank der Dieselheizung jederzeit warm haben könnten, ist die kleine Elektroheizung im Alltag einfach praktischer. Vorausgesetzt natürlich, wir haben Landstrom – und vorausgesetzt, wir hätten sie überhaupt dabeigehabt. Genau das ist der eigentliche Grund für unseren Abstecher nach Sandnes, denn dort gibt es eine Biltema‑Filiale. Doch dazu gleich mehr.

Solstrand Camping, Tjømsveien, Homme, Lindesnes, Agder, 4520, Norwegen

https://dalanefolkemuseum.no

Jøssingfjorden, Vinterstø, Jøssingfjord, Sokndal, Rogaland, Norwegen

Sandnes hytter og camping – Vølstadskogen, Gamle Austvollvei, Soma, Sandnes, Rogaland, 4318, Norwegen

Schon nach den ersten Kilometern zeigt sich, wie abwechslungsreich die Strecke Richtung Sandnes ist. Die Straße windet sich durch Felsen und kleine Fjorde. Und immer wieder tauchen Orte auf, die man einfach nicht ignorieren kann. Einer davon liegt so unscheinbar am Rand der Route, dass man fast daran vorbeifahren würde. Bis man die beiden kleinen Holzhäuser unter dem riesigen Felsüberhang entdeckt.

Hélleren

Helleren wirkt, als hätte die Natur selbst beschlossen, zwei kleinen Häusern ein Dach zusätzlich zu schenken. Die Gebäude besitzen zwar einfache Holzdächer, doch der gewaltige Felsüberhang übernimmt seit Jahrhunderten den eigentlichen Schutz. Er ragt so weit nach vorne, dass Regen, Schnee und Wind kaum eine Chance haben. Und genau das macht diesen Ort so besonders. Man spürt sofort, warum Menschen sich hier schon früh niedergelassen haben. Die heute sichtbaren Häuser stammen zwar aus dem 19. Jahrhundert, doch vieles deutet darauf hin, dass hier bereits seit dem 16. Jahrhundert Familien lebten. Sie kamen mit sehr wenig aus. Lebten vom Fischfang und ein paar Tieren, und bis 1921 führte nicht einmal eine Straße hierher. Alles, was hinein oder hinaus musste, ging über den Fjord.

Wenn man heute unter diesem gewaltigen Felsüberhang steht, bekommt man eine Ahnung davon, wie abgeschieden das Leben hier einmal gewesen sein muss. Gleichzeitig liegt eine besondere Ruhe über dem Platz. Der graue Fels, die hellen Holzwände, das leise Rauschen des Windes im Jøssingfjord. Es fühlt sich an, als hätte die Zeit hier kurz angehalten. Das linke der beiden Häuser steht offen, und man kann einen Blick hineinwerfen – schlicht, eng, aber voller Geschichte. Das rechte ist verschlossen, was der Atmosphäre keinen Abbruch tut, denn schon der Anblick von außen erzählt genug. Die Gebäude gehören heute dem Dalane Folkemuseum. Auch wenn sie nur sparsam zugänglich sind, reicht das völlig, um diesen besonderen Ort auf sich wirken zu lassen. Für uns ist es einer dieser Plätze, an denen man länger stehen bleibt als geplant. Weil einfach die Mischung aus Natur und Vergangenheit so eindrucksvoll ist.

Mysil Bergsprekken

Zwischen dem Parkplatz und den beiden Helleren‑Häusern findet man massive Felsblöcke. An einem ist eine Tafel über Mysil Bergsprekken angebracht. Direkt darunter befindet sich eine flache, natürliche Nische im Fels, die aussieht, als hätte der Stein sich zufällig so aufgestützt. Genau an diesem ungewöhnlichen Platz wirkt die humorvolle Tafel fast wie ein versteckter Gruß aus der norwegischen Folklore. Die Beschreibungen sind typisch für den Humor von Kjell Aukrust – schräg, übertrieben und voller liebevoller Absurditäten. Ein kleiner Fund am Wegesrand, der perfekt zu dieser rauen, eigenwilligen Landschaft passt.

Sinngemäße Wiedergabe des Textes der wie ein Steckbrief geschrieben ist

Freidenker. Geboren bei einem Steinschlag im Jøssingfjord im Jahr 1918. Er bekam einen Darmverschluss und wurde hellsichtig, nachdem ihm ein Noritt‑Stein auf den Schädel gefallen war. Er hat unter anderem die Obstblüte in Hardanger gesehen, Åna‑Sira, Blåfjell, den Film „Gjest‑Bårdsen“ und die Oktoberrevolution im Dezember. Er bewarb sich beim Postwesen und erhielt eine Antwort auf seinen zweiten Brief an die Korinther. Mysil Bergsprekken hat zugenähte Taschen voller Mottenkugeln. Er nimmt nicht am Arbeitsleben teil.

Enthüllt am 19. Juni 1992 von Kjell Aukrust

Jøssingfjord

Unweit der Straße folgend, gleich hinter dem nächstenTunnel, öffnet sich kurz darauf ein Aussichtspunkt, der uns direkt den Atem raubt. Der Blick fällt hinunter in den Jøssingfjord, dessen Wasser tief unten zwischen den steilen Felswänden liegt. Ein stiller, kraftvoller Moment, den wir einfach nur genießen – Norwegen in seiner puren Form.

Wenn die Norweger eines können, dann Tunnel bauen. Diese Bauwerke sind nicht einfach nur Verbindungen durch Berge – sie sind kleine Meisterleistungen. Manche scheinen sich endlos geradeaus zu ziehen. Andere winden sich in Kurven oder überwinden Höhenmeter, als wäre es das Normalste der Welt. Jeder einzelne Tunnel beeindruckt uns aufs Neue. Wir ertappen uns immer wieder dabei, wie wir staunend durch diese Röhren rollen. Wir schauen uns an und sagen: „Wenn die Norweger eines können, dann Tunnel bauen.“. Was für eine erstaunliche Logistik und Präzision muss wohl beim Bau dahinterstecken.

Unschwer zu erkennen, habe ich von der herrlichen Aussicht über den Jøssingfjord keine Fotos gemacht. Auf dieser Reise haben wir tatsächlich so wenig fotografiert wie noch nie – ohne dass wir es unterwegs überhaupt bemerkt hätten.

Nach dem Aussichtspunkt fahren wir weiter Richtung Sandnes. Große Stopps legen wir nicht mehr ein. Aber die Strecke selbst ist so abwechslungsreich, dass man eigentlich ständig etwas zu sehen hat. Berge, Felsen, Fjorde, kleine Seen, weite Blicke. Es ist eine dieser Fahrten, bei denen man kaum merkt, wie die Kilometer vergehen, weil die Landschaft einen ununterbrochen beschäftigt. Und irgendwann taucht dann Sandnes vor uns auf. Damit ist auch unser eigentliches Ziel für heute: Biltema nicht mehr weit.

Biltema

Bevor wir zum Biltema fahren, steuern wir zuerst den Sandnes Hytter og Camping – Vølstadskogen an und stellen Cookie dort ab. Der Platz liegt ruhig, ist schnell erreicht und eignet sich perfekt, um einmal durchzuatmen. Danach geht es direkt weiter zu Biltema, denn wir haben eine kleine Liste zusammengestellt. Ganz oben steht eine kompakte Elektroheizung, falls sie dort eine im Sortiment haben.

Außerdem brauchen wir dringend eine neue 12‑Volt‑Steckdose. Die Buchse, die eigentlich für die Kühlbox gedacht ist, hat einen Wackelkontakt entwickelt und hat sich mittlerweile komplett verabschiedet. Also muss Ersatz her – am besten sofort. Und Nicole braucht noch ein Paar eigene Arbeitshandschuhe. Sie leiht sich meine immer aus, damit das An- und Abkuppeln, das Aufrollen des Stromkabels und das Hoch- und Runterlassen der Stützen auch für sie etwas angenehmer wird. Es sind diese kleinen Dinge, die den Campingalltag leichter machen.

Rückblick zum Tunnel
Foto: © Ann-Evy Hagen (Annie) Quelle: Google Maps Community. Gegenüber von dem Baum in der Mitte des Bildes haben wir rechts auf der Wiese gestanden. Aber leider wie sonst üblich, kein Foto gemacht. Wahrscheinlich, weil wir an dem Tag recht beschäftigt waren einzukaufen und danach mit dem Einbau begonnen haben.

Sandnes Hytter og Camping

Unser Einkauf bei Biltema war ein voller Erfolg. Die kleine Elektroheizung hat umgerechnet gerade einmal fünfzehn Euro gekostet. Zusammen mit der neuen 12‑Volt‑Steckdose sowie ein paar passenden Klemmsteckern verlassen wir den Laden nur etwa fünfundzwanzig Euro ärmer.

Zurück auf dem Campingplatz mache ich mich direkt daran, die neue Steckdose einzubauen. Die alte Buchse, die eigentlich für die Kühlbox gedacht war, hatte sich inzwischen komplett verabschiedet. Es ist eine echte Erleichterung, dass die Kühlbox nun während der Fahrt wieder zuverlässig Strom bekommt. Ohne dass wir hierfür das Kabel quer durch Cookie zur zweiten Steckdose am Schrank legen müssen.

Als alles sitzt, testen wir die neue Elektroheizung. Sie liefert sofort angenehme Wärme. Da der Strom auf den Campingplätzen ohnehin in der Pauschale enthalten ist, ist sie für uns sogar günstiger als die Dieselheizung. Diese hätten wir spätestens alle zwei Tage nachfüllen müssen. So endet der Tag warm, entspannt und mit dem Gefühl, dass sich der Abstecher nach Sandnes mehr als gelohnt hat.

Morgen geht es für uns weiter nach Norden, und der Tag wird ganz im Zeichen mehrerer Wasserfälle stehen. Unser Ziel ist der Sundal Camping direkt am Wasser.

Norwegen 2025

Norwegen Rundreise – Hirtshals – Kap Lindesnes

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