Nach der unruhigen und stürmischen Nacht liegen auf dem Campingplatz verstreut Müll und Gegenstände, nach denen ihre Besitzer nun Ausschau halten. Da ich draußen nur mein Rad angekettet habe und keine weiteren Dinge, bis auf die Fußbank, ist bei mir alles in Ordnung. Die Temperaturen sind allerdings nicht weniger heiß, gerade mal 2-3 Grad kühler. Aber es weht noch ein laues Lüftchen, was das Ganze ein wenig erträglicher wirken lässt. Den Vormittag verbringe ich damit, eine neue Software zu installieren, um meine Blogbeiträge „offline“ schreiben zu können. Der Vorteil: Sobald ich Internet habe, kann ich sie einfach übertragen. Klar, es ginge auch Copy & Paste aus einem Textdokument, aber ich bin hier und da ein Technikfreak.

Radtour
Kurz nach Mittag raffe ich mich dann aber auf. Ich nehme mein Klapprad und fahre die knapp 16km Route über die „Brug over de Noord“ in die Region Alblasserwaard nach Kinderdijk. Ich nutze hierfür Google Maps und lasse mich navigieren. Dabei stelle ich fest, dass Google per Rad Navigation seine eigenen Ansichten hat, wo man lang fahren darf und kann. Vor allem mag er auf der falschen Straßenseite fahren, was in den Niederlanden, sobald es für jede Richtung getrennte Radwege gibt, nicht erlaubt ist. Und so habe ich hier und da schon mal umkehren und die Kreuzung umsonst zweimal überqueren müssen.

Der Fahrtwind ist angenehm, dennoch schwitze ich und nutze die Unterstützungsstufe 5 meine Klapp-E-Bike, so hält sich die Tour im Rahmen. An den Mühlen von Kinderdijk angekommen, stelle ich erstmal fest, dass es hier bei weitem erstmal nicht so aussieht, wie die zahlreichen Fotos es einem suggerieren. Da muss man schon ganz schön suchen und gucken, wo die „schönsten“ Perspektiven zu finden sind. Außerdem ist das Licht nicht das Beste und es scheint sich auch wieder mal etwas am Himmel zusammenzubrauen.
Locationscouting
Ich fahre ein wenig vor Ort umher und suche auch nach Parkmöglichkeiten für meinen Wagen, denn ich habe die große Fotoausrüstung nicht mitgenommen. Praktisch ist, dass der kleine Parkplatz am Museum der Mühlen nach 17:00 Uhr also Museumsschließung kostenlos benutzt werden kann. Morgens ab 8:00 Uhr muss man ihn verlassen, Wohnmobile und Busse sind aber nicht erlaubt. Da sich das Wetter zuspitzt und ich nicht weiß, was hier gleich abgeht, nutze ich Google Maps, um mich zurückzu navigieren, dieses Mal gerne die Fähre, obwohl die Strecke nur 10 Minuten kürzer ist. Einfach die Fähre zu nehmen scheint mir ein Abenteuer genug zu sein.

Rückfahrt mit Fähre
Und tatsächlich schickt mich Google an die falsche Adresse, hier verkehrt nur eine große Fähre für Autos und Fußgänger. Ich frage einfach Passanten und zunächst scheint niemand zu wissen, wo ich hin möchte, bis dann jemand sagt, ich müsste an eine andere Ablegestelle, wo die Wasserbusse fahren. Und in der Tat, einige hundert Meter weiter gibt es einen kleineren Anleger, hier hält die Dreiecksfähre und der Wasserbus. Um nach Ridderkerk zu kommen, benötige ich die „Driehoeksveer„. Noch während ich auf die Fähre warte, beginnt es zu schütten. Dank Unterstand bin ich aber noch nicht ganz nass.
Als die „kleine“ Fähre kommt, ist es gerade mal wieder trocken von oben. Die Benutzung ist ganz einfach, einfach mit Rad einsteigen, zum Kapitän gehen und bargeldlos zahlen, zum Beispiel über „Apple-Pay“ oder Bankkarte. Der Preis für die Überfahrt mit einem Zwischenstopp beträgt 2,35 €, was preiswerter ist als zu Hause mit dem Bus zu fahren. Während der Fährfahrt klatscht es noch zweimal ordentlich. Auf der Fähre kann man Unterschlupf suchen und so klein wie die Fähre von außen wirkt, ist sie letztlich an Board nicht. 100 Passagiere darf sie befördern, die Räder fahren gratis mit.





Fahrtwind zum Trocknen
In Ridderkerk angekommen lassen die Wolken nun noch einmal einen Platzregen herab und nun bin ich gänzlich nass. Dafür brauche ich nun nur noch knappe 10km zu radeln, um zum Campingplatz zu kommen. Der Fahrtwind und zum Glück ausbleibender weiterer Regen lassen mich schnell wieder trocknen. Nur meine Tasche ist noch klatschnass. Zurück bei Cookie, scheint aber wieder die Sonne und auch die Tasche ist ziemlich schnell wieder trocken. Hin und zurück habe ich einen halben Akku für die Unterstützung aufgebraucht. Nicht schlecht für die am Ende knappen 33km. Dabei bin ich teilweise wildromantische Radwege entlanggefahren, vorbei an Reihern, Gänsen, Schafen. Oft direkt an kleinen Kanälen vorbei, an deren Ufer zum Teil hohes Schilf aufragte, es ging über niedliche Brücken, so abwechslungsreich war die Rückfahrt, dass ich nicht gemerkt habe, wie zügig ich vorangekommen bin.
In der Nacht ging dann irgendwann wieder ein Gewitter und Starkregen über die Region, dieses Mal schienen aber die Mülleimer sicher geblieben zu sein.