Den ein oder anderen Wunsch hatten wir schon, obgleich wir ja keine richtige Vorplanung getroffen hatten. Einer dieser Wünsche war es die Atlantikstraße zu fahren. Allerdings gestaltete sich die Suche nach einem passenden Camping Platz in dieser Region zu dieser Jahreszeit etwas schwierig. In der Nähe von Kristiansund genauer gesagt in Byskogen sind wir dann aber fündig geworden.
Byskogen, Kristiansund Municipality, Møre og Romsdal, Norway
Atlanterhavsvegen, 6494 Vevang, Norway
Atlantikstraße – Atlanterhavsvegen
Die Atlantikstraße ist nicht einfach eine Straße – sie ist eine der spektakulärsten Küstenrouten Norwegens. Acht Brücken verbinden kleine Inseln und Schären, und an vielen Stellen fährt man so nah am offenen Atlantik, dass man das Gefühl hat, direkt über dem Wasser zu schweben. Sie ist rund um die Uhr zugänglich und führt an Aussichtspunkten und Angelplätzen vorbei .
Wenn man unvorbereitet durchfährt, rauscht man an vielen kleinen Highlights vorbei. Mit Cookie im Schlepptau konnten wir leider nirgends halten, obwohl wir ja in der Nebensaison unterwegs waren, war die Atlantikstraße mehr als gut besucht. Hier sind die wichtigsten Stopps, die Du nicht verpassen solltest.

Storseisundbrua
Die Storseisundbrua ist das ikonische Herzstück der Atlantikstraße. Aus bestimmten Blickwinkeln wirkt sie, als würde sie direkt in den Himmel kippen – ein optischer Trick, der erst beim Näherkommen aufgelöst wird. Wenn Wind und Wellen zusammenarbeiten, bekommt die Brücke eine fast dramatische Bühne. Ein kurzer Stopp lohnt sich immer: einmal aussteigen, die Perspektive wechseln und die berühmte „Schwungbrücke“ wirklich erleben.
Hulvågen
Zwischen den kleinen Inseln von Hulvågen führen Holzstege dicht über dem Wasser entlang. Hier spürt man die Atlantikstraße nicht nur visuell, sondern körperlich: salzige Luft, Wind im Gesicht, das leise Klatschen der Wellen unter den Planken. Es ist ein kurzer Spaziergang, aber einer, der die besondere Nähe zwischen Straße und Meer perfekt einfängt.

Myrbærholmbrua
An der Myrbærholmbrua stehen breite Plattformen direkt über dem Meer. Sie sind eigentlich zum Angeln gedacht, aber auch ohne Angel sind sie ein Erlebnis. Man steht dort wie auf einem Balkon über dem Atlantik, sieht die Strömungen unter sich und spürt die Kraft des Wassers. Ein Ort, an dem man die Straße kurz vergisst und einfach nur schaut, wie sich Meer und Himmel treffen.
Kjeksa
Kjeksa ist einer dieser Stopps, die man leicht übersieht – und genau deshalb so schön sind. Ein kleiner Parkplatz, ein kurzer Weg, und plötzlich öffnet sich der Blick über die Schärenlandschaft und die geschwungene Linie der Atlantikstraße. Kein Trubel, keine großen Schilder, nur ein stiller Aussichtspunkt, der zeigt, wie weit und ruhig diese Küste sein kann. Perfekt für einen Moment abseits der Hauptspots.

Eldhusøya
Auf Eldhusøya führt ein schwebender Steg einmal um die Insel herum. Der Weg ist nur wenige hundert Meter lang, aber er bietet einige der besten Blicke auf die Storseisundbrua und die umliegenden Inseln. Der Steg liegt so nah am Wasser, dass man bei Wind das Gefühl hat, mitten im Atlantik zu stehen. Ein kurzer, barrierefreier Rundweg – und einer der schönsten Orte, um die Atlantikstraße zu Fuß zu erleben.
Kleine Buchten & Felsplateaus
Zwischen den offiziellen Stopps liegen viele kleine Buchten, Felsvorsprünge und Mini‑Parkplätze. Hier kommt man direkt ans Wasser, hört die Wellen, sieht Seevögel und spürt die raue Küstenluft. Diese spontanen Stopps sind oft die schönsten: kein Programm, kein Muss, nur ein paar Minuten am Meer. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt hier die leise Seite der Atlantikstraße – und genau das macht die Route so besonders.


Byskogen Camping
Der Byskogen Camping wirkt auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Waldcampingplatz und Schullandheim. Zwischen hohen Bäumen steht ein großes Holzhaus, das aussieht, als würden hier sonst Jugendgruppen oder Ferienlager einziehen. Und tatsächlich: Das Gebäude wird regelmäßig für Freizeiten genutzt, dient aber gleichzeitig als Aufenthaltsraum, Küche und Vermietunterkunft für Camper. Diese Mischung aus rustikal, funktional und ein bisschen nostalgisch gibt dem Platz seinen ganz eigenen Charme. Es ist kein Hochglanz‑Camping, sondern ein bodenständiger Ort, an dem im Sommer eine ganze Menge action zu sein scheint.
Der Platz liegt etwas außerhalb von Kristiansund, mitten im Wald, und hat dadurch eine angenehm abgeschiedene Atmosphäre, wenn da nicht der Flugplatz wäre. Man hört die Straße, jede Menge Hubschrauber und gelegentlich ein Flugzeug. Am Abend wird der Flugverkehr zum Glück eingestellt und Ruhe kehrt ein. Die Stellplätze sind großzügig bzw. uns nicht ersichtlich eingeteilt. Wir sind bis auf ein paar Besucher eines der buchbaren Ferienwohnungen heute die einzigen Gäste.

Wir suchen uns einen Platz am Rand einer größeren Freifläche. Auf der gegenüberliegenden Seite ist ein separater kleiner Bungalow, der eine Toilette und Küche bietet. Im Haupthaus werden gerade die Sanitäranlagen umgebaut und stehen uns nicht zur Verfügung. Mangels Alternativen bleiben wir aber.
Polarlichter – wenn der Himmel plötzlich lebendig wird
Polarlichter gehören zu den Naturphänomenen, die man nicht einfach sieht, sondern erlebt. Es beginnt oft unscheinbar: ein heller Schleier am Himmel, fast wie eine Wolke, die sich nicht bewegt. Und dann, ganz langsam, fängt dieser Schleier an zu glühen. Erst grün, dann vielleicht violett, manchmal mit einem Hauch von Weiß oder Rosa. Die Farben wirken, als würden sie von innen heraus leuchten.
Was einen wirklich packt, ist die Bewegung. Polarlichter stehen nicht still – sie tanzen. Sie ziehen Bögen über den Himmel, flackern wie ein Vorhang im Wind oder breiten sich plötzlich wie eine Welle aus. Manchmal ist es ein leises, ruhiges Leuchten. Manchmal ein wildes, pulsierendes Spektakel, das den ganzen Himmel füllt. Und immer hat man das Gefühl, dass man etwas sieht, das eigentlich nicht von dieser Welt ist.






















Auch wenn die Fotos nicht perfekt, gar zum Teil verwackelt sind, nicht so prachtvoll wie die Polarlichter selbst – sie gehören einfach hier her.
Das Faszinierende: Polarlichter sind gleichzeitig wissenschaftlich erklärbar und emotional unerklärlich. Sie entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen aus dem Sonnenwind auf die Erdatmosphäre treffen und dort Sauerstoff und Stickstoff zum Leuchten bringen. Ein physikalischer Prozess – und doch fühlt es sich an, als hätte der Himmel kurz beschlossen, Kunst zu machen.
Wer sie einmal gesehen hat, vergisst es nicht. Es ist dieser Moment, in dem man einfach stehen bleibt, den Atem anhält und merkt, wie klein man eigentlich ist. Und wie groß die Welt sein kann.
In Gedenken an meine Mutter
Der Tag hatte schwer begonnen. Noch bevor wir losfuhren, erreichte mich die Nachricht meiner Schwester: „Mama ist um 09:11 ruhig in unserem Beisein eingeschlafen“. Der Kontakt war seit Jahren kaum vorhanden, und doch trifft so eine Nachricht tiefer, als man es erwartet. Sie begleitet einen, leise, wie ein Hintergrundton, der nicht verschwindet.
Der Moment, in dem ein Elternteil geht, trifft immer tiefer, als man es vorher glaubt. Es ist ein Schnitt in der eigenen Lebenslinie. Ein Kapitel, das sich schließt, egal wie kompliziert oder fern die Beziehung war. Trauer funktioniert nicht logisch. Sie ist leise, diffus, manchmal nur ein Schatten im Hintergrund – aber sie ist da.
Und dann, in dieser Nacht, standen wir unter diesem Himmel in Norwegen. Über uns begannen die Polarlichter zu tanzen – erst ein zarter Schleier, dann ein leuchtendes Grün, das sich über den Himmel zog. Es war still, weit, fast feierlich. Als sich der Tanz zu legen schien, brachen die Polarlichter wie zu einem orchestralen Höhepunkt noch einmal aus, bis sie sich in gleichem Maße wieder verabschiedeten und erloschen.
Ich weiß, dass Polarlichter ein Naturphänomen sind. Und trotzdem hatte ich in diesem Moment das Gefühl, dass dieses Farbenspiel ein Abschiedsgruß war. Ein letzter, stiller Moment, der sich genau richtig anfühlte. Ein „Adieu“ auf eine Weise, wie Worte es nicht gekonnt hätten.
Hallo mein lieber Junge.
Ein sehr sehr schöner Bericht dieser Reise. Beim lesen und betrachten der Bilder hat man manchmal das Gefühl selbst dabei gewesen zu sein . Ja, und mit deiner Mutti, das hat mich auch sehr stark betroffen gemacht. Diese Zeit mit uns allen war für mich ein besonderer sehr schöner Lebensabschnitt an den ich sehr gerne zurück denke und mir manchmal auch zurück wünschen würde. Mit dem heutigen Wissen würde ich bestimmt einiges anders gemacht haben. Nun wie Du siehst, beschäftigt mich das auch heute noch sehr. Nun noch mal vielen Dank für Deinen schönen Reisebericht sowie herzliche Grüße an Euch !