Mit Filz wird Cookie von innen wohnlicher. Zumindest haben mir gefilzte Kofferanhänger, die ich gesehen habe, immer sehr gut gefallen. Man fühlt sich behaglicher und gemütlicher, wenn die Wände mit Filz verkleidet sind. Er bringt nicht nur optische Wärme, sondern auch akustische Dämpfung. Zugegeben, die weißen „kahlen“ Wände sind pflegeleicht, einfach abwischen und fertig, sollte mal Schmutz an die Wand kommen. Und mit dem Abwischen, fängt auf das filzen des Filz an.

Isopropanol
Ich nutze hierfür Isopropanol. Isopropanol – oder auch Isopropylalkohol – ist eine farblose Flüssigkeit, die sehr gut Fett und Schmutz lösen kann. Deshalb wird sie oft als Reinigungsmittel verwendet. Man findet sie zum Beispiel in Desinfektionsmitteln, Brillenreinigern oder auch in Elektronik-Reinigern. Es trocknet rasch und hinterlässt keine Rückstände. Ideal um kurz vor dem Kleben die Fläche zu reinigen.
Filz
Filz ist ein textiles Material, das durch das Verfilzen von Fasern entsteht – meist aus Wolle oder synthetischen Stoffen wie PES (Polyester). Es ist weich, formbar und dennoch robust, was es zu einem beliebten Werkstoff für kreative und funktionale Anwendungen macht.
Meinen Filz habe ich bei Filz Asmussen bestellt. Filz Asmussen bietet vier Hauptsorten an, die sich in Material, Dicke und Dehnbarkeit unterscheiden:
| Sorte | Material | Dicke | Dehnbarkeit | Farben & Muster |
|---|---|---|---|---|
| Premium Filz | PES | 2 mm | gut | Anthrazit, Silbergrau, Vanille, Schwarz |
| Carpet Filz | PES | 3 mm | sehr gut | Anthrazit, Silbergrau, Vanille |
| Natur Filz | 100 % Wolle | 1,1 mm | ok | Natur, Lagune |
| Fantasia Filz | PES | 2 mm | ok | Leopard, Dschungel, Camouflage |
Alle Varianten sind temperaturbeständig von –30 °C bis +130 °C und selbstklebend – das macht die Verarbeitung besonders einfach. Filz eignet sich hervorragend für den Innenausbau von Fahrzeugen, Booten oder Wohnmobilen.
Bestellen
Zunächst habe ich mir ein Musterpaket bestellt, eher nicht zum Testen der Dehnbarkeit, sondern vielmehr wegen der Farben. Schwarz und Anthrazit gefallen mir gut, aber ich denke dann wird es im Cookie zu dunkel. Vanille scheint mir sehr angenehm zu sein, aber evtl. zu empfindlich? Also Silbergrau und damit es nicht zu eintönig wird, Vanille für die Decke.

Ich habe alle Flächen, die mit Filz beklebt werden sollen, ausgemessen und notiert. Dann zuerst ein Denkfehler, ich habe alle Längen und Breiten addiert, dann multipliziert und bin auf 120 m2 Fläche gekommen. Oh, das scheint mir doch etwas zu viel zu sein. Richtig ist alle Flächen zu berechnen und dann die Ergebnisse zu addieren.
So bin ich dann auf gute 13 m2 gekommen, was sich nicht nur besser anhört sondern richtig ist. Die Bahnbreite beträgt eigentlich 1,55 m, um ein wenig mehr Filz für Verschnitt mit einzuberechnen, habe ich als Grundlage 1,50 m und anstatt 13, 14 m2 für die Bestellung angesetzt. Gesamtfläche ÷ 1,5 m (Rollenbreite) = benötigte Meter Filz. Das ergab für Vanille 3 Meter und Silbergrau 10 Meter.
Verkleiden
Obwohl ich, in meinen Augen genug Zugabe bei der Bestellung gemacht habe, bleibt irgendwo das Gefühl, bloß nicht zu verschwenderisch sein. Also messe ich, bevor ich zuschneide jede Fläche noch einmal aus und schneide dann mit ein wenig Zugabe ein Stück des schönen Filzes zu.
Hecktüre zuerst
Die Tür an der Heckseite und die Heckseite selbst soll als erstes gefilzt werden. Da ich zum Glück nur gerade Flächen habe, denke ich mir, zwei bis drei Zentimeter müssen reichen. Nicht bedacht habe ich, dass ein kleiner Teil des Filzes keinen Kleber hat, ein Überstand, der beim Kauf zwar nicht berechnet wird, aber nun beim Zuschneiden von mir nicht richtig (falsche Seite) berücksichtigt wurde.

Selber Schuld
So muss ich gleich an der Hecktüre, richtig Hand anlegen und ziehen. Aber am Ende schaffe ich es den zugeschnittenen Filz aufzukleben. Was ich beim nächsten Ausmessen und Zuschneiden auf jeden Fall mache ist mehr Zugabe berechnen.

Über der Hecktüre, sowie rechts und links sind nun noch drei Streifen zu schneiden. Hier klebe ich zum ersten Mal den Filz Stoß an Stoß. Die erste Naht misslingt, hier muss ich später noch einmal ran. Die zweite Stoß-Naht ist besser. Auch das Verkleben der Filzstreifen geht nun bedingt gut. Wobei, wenn ich einmal den Filz gedehnt habe, also einfach nur zu sehr gezogen, um den Filz an die Kante der Wand zu bekommen, zieht sich diese Dehnung den restlichen Filzstreifen hindurch. Das macht es nicht gerade einfacher.
Schwerer als gedacht, einfacher als vermutet
Irgendwie so fühlt sich die Verarbeitung an: Schwerer als gedacht, einfacher als vermutet – oder, umgekehrt. Ich hatte schon Bedenken und Befürchtungen, die Verkleidung anzugehen. Durch die Dehnbarkeit, kann man einiges kaschieren, was am Ende nicht mehr ersichtlich ist. Übergänge zwischen Filzstücken und gerade auch an den Rändern sind dennoch zu sehen und immer wieder blitzt die weiße Rückwand durch.


Ich hoffe ich kann die Blitzer (also die weißen Stellen an den Ecken) mit dem Filz, der an die Seitenwände kommt, kaschieren. Wenn du diesen Beitrag kurz nach seiner Veröffentlichung liest, wirst du noch keine Bilder vom fertig ausgefilzten Cookie sehen, da ich noch nicht fertig bin. Das Verarbeiten dauert länger als gedacht. Sobald aber alles fertig ist, findest du eine kleine Bildergalerie und ein Fazit im kommenden Beitrag.
Cutter vs. Schere
Sauber und genau zu arbeiten ist schwer. Wobei Übung macht den Meister. Es geht immer einfacher und auch genauer, aber eben immer noch mit Potenzial es noch besser und schöner machen zu können. Was die Sache unsauber macht, ist die Zugabe mit dem scharfen Cuttermesser abzuschneiden. Ich kann dank meiner Sandwichwände nicht fest mit dem Cutter schneiden, denn ich verletze sonst die Wand und an den Rändern auch die Dichtnähte, die an den Rändern entlang gesetzt sind.

Am Saubersten sind immer noch die Schnitte mit der Schere. Dort wo ich kann, d.h. dort wo eine Fläche winkelig ist, versuche ich den Filz ohne Zugabe direkt passend zu schneiden. Der Filz lässt sich nur ohne die Kleberschutzfolie ziehen und nur so lange bis er nicht aufgeklebt ist. Was insgesamt die Verarbeitung auch nicht einfacher macht.
Wände
An den Wänden fange ich meist an einer Seite an. D.h. meine Zuschnitte des Filz haben eine direkte Klebekante, die ich an einer Ecke ansetzen kann. Nennen wir die Seite mal die Referenzseite. An den anderen drei Seiten habe ich etwas Überstand. An der Refenenzseite fange ich deshalb recht mittig an und arbeite mich dann sukzessive in alle Richtungen mit und mit vor.
Die einzige meines erachtens wirkliche Schwierigkeit besteht darin, wenn zwei Filzbahnen aufeinandertreffen. Hier entsteht eine Überlappung. Hier ist Vorsicht geboten. Ich habe mich hier wahrscheinlich zu dumm angestellt, Ich wollte eine Naht mit einem Kreuzschnitt versehen und dann drüberreiben, so sollte angeblich die Naht verschwinden.

Wahrscheinlich habe ich nur die Kreuzschnitte zu fest und zu lang gemacht, jetzt sieht diese Naht leider wie bei einer alten Puppe oder einem Teddybär aus die man flicken wollte.

Bei der Überlappung war mein Cuttermesser nicht mehr scharf genug und ich musste mehrfach schneiden, hier habe ich leider nicht im gleichen Schnitt geschnitten sondern mehrer Schnitte parallel, was den unteren Filz mit heraus gerissen hat und ich flicken musste.

Beide Nähte sind nicht schön, doch nach Rücksprache werden wohl alle Versuche die Stoßkanten nun auszubessern noch schlimmer aussehen, also belasse ich nun alles so wie es ist. Übrigens kleinere Blitzer an den Rändern, also Stellen wo die weiße Wand noch zu sehen ist, kann man mit ganz dünnen bzw. passenden Streifen super leicht kaschieren.
Decke
Bei der Decke habe ich mir Hilfe bei meiner Frau geholt. Zu Zweit war es einfacher das riesen Stück Filz auszurichten und parallel zur Wand zu halten. So konnte Nicole stückweise das Trägerpapier abziehen und ich den Filz an die Decke drücken. Wir haben von einer Längsseite bis hin zur Mitte geklebt um an der Lichtleiste einen Schnitt setzen zu können.


Hinter der Lichtleiste haben wir dann ohne weitere Naht den Filz weiterverkleben können. Am Ende wurden dann die Ränder mit einem Schnitt und einer immer scharfen Cutterklinge geschnitten. Um die Klinge scharf zu halten habe ich nach gut einem Meter Schnitt, die Klinge gebrochen. Als Anschlag hatte ich einen Alu L-Winkel genutzt. Diese Alu-Schiene habe ich mit den beiden Enden aufgesetzt, so dass ich damit quasi ein Dreieck bebildet habe. So hatte ich dann einen gleichmäßgen 45° Winkel, an dem ich das Cuttermesser entlang führen konnte,
Fazit
Ich bin heil froh, dass ich das Filzen nun abgeschlossen habe. Übung macht den Meister und am besten ist es sich Tutorials anzuschauen. Leider sind die Tutorials aber immer an Gegenständen, die nicht Wände sind, sondern an Holz oder Plastikteilen, die man ausbauen kann. Nur wenige zeigen wir man Wände verfilzt und wie man Stossnähte, Ecken etc. behandelt. Aber trotz der Fehler, bin ich zufrieden, schließlich habe sowas noch nie gemacht. Dafür ist das Ergebnis ordentlich und auf jeden Fall ist Cookie nun wesentlich gemütlicher und hat nun wine wärmere und kuscheligere Atmosphäre.