Tunnel ohne Ende, das Norsk Natursenter Hardanger, der Voringsfossen und der Hardangervidda Nationalpark. Gleich zu Anfang steht fest, wir werden auch am nächsten Campingplatz zwei Tage bleiben, denn wir wollen uns den Hardangervidda Nationalpark, naja, zumindest einen Teil davon anschauen.
Hardangervidda 810, 5785 Vøringsfoss, Norway
Vøringsfoss, 5785 Vøringsfoss, Norway
Måbøtunnelen, 5784 Øvre Eidfjord, Norway
Sæbøtunet 11, 5784 Øvre Eidfjord, Norway
Blakhammartunnelen, 5780 Kinsarvik, Norway
Fresviktunnelen, 5773 Hovland, Norway
Okslatunnelen, 5770 Tyssedal, Norway
Tyssedaltunnelen, 5770 Tyssedal, Norway
Folgefonntunnelen, 5476 Mauranger, Norway
Wenn die Norweger eines können, dann ist es Tunnel bauen. Wir glauben, die Norweger waren irgendwie in Fahrt, als sie einmal angefangen haben mit dem Tunnelbau, sie konnten wohl nicht wieder aufhören. Auf der heutigen Strecke von Mauranger bis zum Garen Camping Hardangervidda durchfahren wir gleich 15 Tunnel, wenn wir jetzt in der Aufzählung nicht einen vergessen haben.
Folgefonntunnelen, Kviturtunnelen, Tyssedaltunnelen, Okslatunnelen, Stanatunnelen, Skarvabjørgtunnelen, Fresviktunnelen, Vindhammartunnelen, Blakhammartunnelen, Butunnelen, Eidfjordtunnelen, Kvernhushaugtunnelen, Måbøtunnelen, Storegjeltunnelen und Dalbergtunnelen.
Odda – Tyssedal
Nach Mauranger beginnt die Strecke mit dem Folgefonntunnelen. Ein langer, gerader Tunnel, der für uns schon fast Routine war. Er bringt uns zurück ins Odda‑Tal und setzt den Startpunkt für eine der spannendsten Straßenpassagen dieser Reise.
Kurz darauf folgt der Tyssedaltunnelen. Er markiert den Einstieg in steileres Gelände. Die Straße zieht sich an den Hängen hoch, und man merkt sofort, dass die Landschaft hier rauer wird. Ein klarer Übergang vom Fjord in die Berge.
Butunnelen
Der nächste wirklich besondere Moment kommt im Butunnelen. Mitten im Berg öffnet sich ein heller Raum – ein Kreisverkehr im Tunnel. Ein kurzer, surrealer Anblick, aber er zeigt, das wenn Norweger eines können, dann ist es Tunnel bauen.
Ab hier beginnt die Strecke, sich enger an die Felswände zu schmiegen. Der Eidfjordtunnelen führt uns tiefer ins Måbødalen hinein. Die Schlucht wird schmaler, die Wände steiler. Man spürt, dass man sich einem der dramatischsten Abschnitte nähert.
Norsk Natursenter Hardanger – ein kurzer Halt
Das Norsk Natursenter Hardanger liegt genau an der Stelle, an der die Landschaft beginnt, richtig dramatisch zu werden. Für uns war es der ideale Zwischenstopp, bevor wir tiefer ins Måbødalen fuhren. Das Zentrum erzählt die Geschichte der Region – von Gletschern, Fjorden und Wasserfällen bis hin zur Tierwelt der Hardangervidda. Die Ausstellung ist modern aufgebaut, mit vielen Modellen, Filmen und interaktiven Elementen, die auch ohne lange Texte funktionieren. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie die Landschaft entstanden ist und warum sie heute so aussieht, wie sie aussieht. Leider wat das Zentrum durch eine Aida-Kreuzfahrtgruppe belegt und wir konnten nur lesen, was uns erwartet hätte.
Doch gegenüber dem Naturzentrum gibt es eine Einkaufsmöglichkeit vom kleinen Souvenir bis hin zu Outdoorbekleidung bekommt man hier – Tax-Free alles mögliche. Ich kaufe mir hier ein neues Cap, da mir meins auf der Fährfahrt in die Skagerrak geweht wurde. Zudem gibt es noch den ein oder anderen Pulli für uns. Wir flüchten, als er kurz danach voll wird, die Kreuzfahrer kommen.
Noch mehr Tunnel
Der Måbøtunnelen liegt mitten im Herz des Tals. Wasserfälle stürzen neben der Straße herab, und die Felswände stehen so dicht, dass man das Gefühl hat, durch ein Naturtheater zu fahren. Ein kurzer, aber intensiver Abschnitt.
Direkt danach folgt der spektakulärste Tunnel dieser Route: der Storegjeltunnelen. Er windet sich wie ein perfekter Kreis nach oben. Während man die Kurve fährt, gewinnt man rund 40 bis 50 Höhenmeter. Man spürt die Steigung, aber die Kreisform macht sie fast elegant. Ein technisches Kunststück, das man erst richtig begreift, wenn man mittendrin steckt. Für uns eine schier endlos erscheinende Linkskurve unter Tage.
Der letzte nennenswerte Tunnel ist der Dalbergtunnelen. Er führt gerade den Storegjeltunnelen verlassen, weiter aus der engen Schlucht heraus und öffnet den Blick auf die weite Hardangervidda. Die Landschaft wechselt von Fels und Wasser zu offenen Ebenen und weitem Himmel. Wir fahren am Vøringsfossen vorbei und erreichen unser Tagesziel den Garen Campingplatz.

Unser Stützpunkt auf der Hardangervidda
Garen Camping liegt ruhig am Rand der Hardangervidda. Ein Platz, umgeben von weiten Ebenen, niedrigen Hügeln und dieser typischen, offenen Hochlandfläche. Die Stellflächen sind einfach, aber großzügig, allerdings dank des Wetters etwas aufgeweicht. Wir können deshalb gleich vor dem großen Servicehaus einen Platz auf Schotteruntergrund beziehen.
Von hier aus hat man kurze Wege zu den Aussichtspunkten der Hochebene und gleichzeitig eine gute Verbindung zurück ins Tal. Für uns war Garen Camping der ideale Ausgangspunkt. Später sind wir noch einmal zum Vøringsfossen zurück gefahren um den Wasserfall in Ruhe zu erkunden.








Vøringsfossen – Wege, Brücken und Tiefblicke
Der Vøringsfossen ist nicht nur ein Wasserfall. Er hat ein eigenes kleines Wegenetz, das sich entlang der Schlucht zieht. Mehrere Aussichtspunkte liegen wie Stationen am Rand des Abgrunds. Jeder bietet einen anderen Blick: mal direkt in die Tiefe, mal auf die Felswände, mal auf den Wasserfall, der sich in die Schlucht stürzt.
Eine der spektakulärsten Stellen ist die Fußgängerbrücke, die die beiden Seiten der Schlucht verbindet. Eine Konstruktion aus Stahl und Gitterstufen, die frei über dem Abgrund hängt. Die Brücke ist rund 50 Meter über der Schlucht und besteht aus 99 Stufen. Die meisten sind offen, aus Gitterrost, und man sieht durch die Stufen direkt in die Tiefe. Genau das macht sie so spektakulär – und für Menschen mit Höhenangst herausfordernd.
Den morgigen Tag wollen wir dem Hardangervidda Nationalpark widmen.
Hardangervidda 810, 5785 Vøringsfoss, Norway
Tinnhølvegen, 5785 Vøringsfoss, Norway
Tinnhølvegen 80, 5785 Vøringsfoss, Norway
Hardangervidda, 5785 Vøringsfoss, Norway
Hardangervidda 810, 5785 Vøringsfoss, Norway
Hardangervidda – ein Hochplateau, das man mögen muss
Die Hardangervidda ist der größte Nationalpark Norwegens. Ein riesiges Hochplateau, geformt von Eis, Wind und Zeit. Hier oben gibt es kaum Bäume. Kaum Schutz. Kaum Ablenkung. Nur Weite. Fels. Wasser. Und Himmel. Genau das macht die Hardangervidda für viele so besonders – und für andere so fremd.







Am nächsten Morgen fahren wir vom Garen Camping tief in den Park hinein. Die Tinnhølvegen kostet uns 450 NOK ca. 40 EUR, und schon nach wenigen Minuten wird klar, wohin die Reise geht: immer weiter hinein in eine Landschaft, die sich nicht anbiedert. Alles ist karg. Offen. Rau. Die Straße zieht sich durch eine endlose Ebene, die kaum Struktur hat. Ein paar Seen, Steine, wenige Büsche und Flechten. Mehr nicht.
Der Wind pfeift uns um die Ohren, obwohl die Sonne strahlt. Wir gehen einige Kilometer am Wasser entlang. Der Weg ist leicht, aber die Landschaft bleibt gleich. Keine Wälder, Hügel oder große Abwechslung. Nur diese unendliche Weite, die man entweder liebt – oder eben nicht. Wir merken schnell, dass wir eher zu den Menschen gehören, die Wälder mögen. Schatten. Formen. Abwechslung. Die Hardangervidda ist das Gegenteil davon. Und genau deshalb kehren wir irgendwann um. Ein bisschen enttäuscht, aber auch beeindruckt von der Konsequenz dieser Landschaft.


Sysendammen
Auf dem Rückweg stoppen wir noch am Sysendammen. Der Sysendammen wirkt wie ein Fremdkörper in dieser offenen Landschaft. Ein massiver Wall aus Stein, der die Hardangervidda an einer Stelle einfach stoppt. Gebaut wurde er zwischen 1974 und 1980, in einer Zeit, in der Norwegen seine Wasserkraft massiv ausbaute.
Der Damm ist 81 Meter hoch und über einen Kilometer lang. Hinter ihm liegt der Stausee Sysenvatnet, der 427 Millionen Kubikmeter Wasser fasst. Ein riesiges Reservoir, das vor allem einem Zweck dient: Stromerzeugung. Das Wasser fließt in das Sy‑Sima‑Kraftwerk, eines der leistungsstärksten Wasserkraftwerke des Landes.
Der Damm hat aber noch eine zweite Aufgabe. Er reguliert den Wasserfluss des Vøringsfossen. Ohne ihn würde der Wasserfall im Sommer oft viel weniger Wasser führen. So bleibt das Schauspiel zuverlässig – und gleichzeitig wird Energie gewonnen.
Danach geht es zurück zum Campingplatz.

Warme Duschen
Den Rest des Tages verbringen wir ganz entspannt auf dem Garen Camping. Nach der kargen Weite der Hardangervidda tut es gut, wieder ein bisschen Alltag um sich zu haben. Die warmen Duschen fühlen sich wie ein kleines Geschenk an. Wir lassen uns Zeit. Atmen durch. Genießen die Ruhe.
Alltagsdinge
Irgendwann ist immer mal die Zeit für einen Haarschnitt. Eigentlich wollte ich schon in Odda zum Friseur gehen, aber mehr als 50 Euro für einen einfachen Schnitt? Das war er mir dann doch nicht wert, also improvisieren wir. Nicole schneidet mir mit meinem Rasierer die Haare – etwas mühsam, denn ich habe natürlich das Ladekabel für den richtigen Haarschneider vergessen bzw. nicht darauf geachtet, dass er einen speziellen Stecker benötigt. Es dauert deshalb länger als gedacht, aber am Ende sieht es überraschend gut aus. Lieben Dank mein Schatz!
Wir ahnen zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht, dass wir in den nächsten Tagen feststellen werden, dass ich im Bad des Campingplatzes etwas habe liegen lassen: unsere Kehrschaufel samt Handfeger. Wer also den Garen Campingplatz besucht und eine rote Schaufel nebst Feger sieht, ja – der darf gerne an uns denken – das war mal unsere.
Weitere Planung
Nächstes Ziel soll der Tvindefossen sein, gleich neben an gibt es einen Campingplatz, heir planen wir eine Übernachtung als Zwischenstopp ein.