Der heutige Tag startet nicht so freundlich im Briksdal wie der gestrige Abend uns verabschiedet hat. Kurz vor Acht, ist es noch stets recht dunkel. Heute möchten wir uns den Trollstiegen (die Trollleiter oder Trolltreppe) anschauen und auch hinunter fahren. Das Trollstigen Resort ist unser Campingplatz für die Nacht. Heute ist wieder einer dieser Fahrtage.
Åndalsnes, Norway
Briksdalsbre, Vestland, Norway
Tunnel – Fähre – Serpentine
Auf dem heutigen Weg haben wir wieder einige Tunnel auf der Strecke, eine Fähre und die Trollleiter eine Passstraße die serpentinenförmig ins Tal führt. Der Weg ist wiedermal das Ziel. Zunächst jedoch fahren wir am Geiranger Fjord vorbei. In Stranda geht es dann auf die Fähre. Wir finden es immer praktisch, wenn am Kai eine Bäckerei liegt und wir uns eine Zimtschnecke holen können. In Norwegen heißen Zimtschnecken übrigens je nach Region Kanelboller, Kanelknuter, Kanelsnurrer oder Kanel i Svingene.
Geiranger Fjord
Der Geirangerfjord ist einer dieser Orte, an denen wir kurz die Aussicht genießen, tief einatmen und uns fragen, ob das alles wirklich echt ist. Der Fjord ist nur rund 15 Kilometer lang, aber jeder Meter davon wirkt wie ein eigenes Gemälde: steile Felswände, sattes Grün, Schneereste auf den Gipfeln und Wasserfälle, die wie weiße Fäden über die Felsen laufen. Seit 2005 gehört der Geirangerfjord zum UNESCO‑Weltnaturerbe – völlig zurecht, denn die Landschaft wirkt wie ein Freilichtmuseum der Eiszeit.



Schon die Anfahrt ist spektakulär. Von Süden kommend öffnet sich der Blick am Aussichtspunkt Flydalsjuvet, wo der Fjord plötzlich tief unter einem liegt. Weiter oben thront der Aussichtspunkt Dalsnibba auf rund 1.500 Metern Höhe, erreichbar über eine Panoramastraße. Von dort sieht man den Fjord wie eine blaue Linie zwischen den Bergen liegen.
Stranda – Liabygda
Die Fähre zwischen Stranda und Liabygda ist eine der kurzen, aber typischen Fjordquerungen in Møre og Romsdal. Gerade einmal rund 13 Minuten dauert die Überfahrt – genug Zeit, um einmal über das Wasser zu schauen und die steilen Hänge rund um den Storfjord wirken zu lassen. Die Fähren fahren im Halbstundentakt, oft sogar häufiger, und sind damit ein unkomplizierter Teil der Route Richtung Geiranger, Trollstigen oder Åndalsnes. Man rollt einfach an, wartet selten lange und ist schon kurz darauf auf der anderen Seite. Aber Zeit für eine Kanelsnurrer und einen Kaffee hatten wir dennoch.

Slettvikelva
Der Slettvikelva ist ein kleiner Bergfluss in Møre og Romsdal, oberhalb des Valldal‑Tals und am Rand des Trollstigen Landscape Conservation Area. Er liegt deutlich abseits der großen Touristenströme. Der Fluss entspringt in den Höhen rund um Slettvikane und zieht sich durch ein raues, offenes Gelände, bevor er weiter unten in die Täler abfließt. Die Landschaft ist typisch für die Region: Felsplatten, Birken, Moorflächen, klare Luft und weite Blicke.


Trollstigen, wohl Norwegens berühmteste Serpentinenstraße
Der Trollstigen ist einer dieser Orte, an denen Norwegen zeigt, wie dramatisch Landschaft sein kann. Die Straße windet sich in elf engen Haarnadelkurven den steilen Berghang hinauf, bzw. für uns hinunter, flankiert von Felswänden, Wasserfällen und einem Tal, das sich mit jedem Höhenmeter weiter öffnet.
Den Trollstigen hinunterzufahren fühlt sich an, als würde man langsam in eine Landschaft hineinrollen, die sich mit jedem Meter weiter öffnet. Oben beginnt alles noch ruhig: ein weites Hochplateau, stille Seen, teilweise noch Schneefelder, die selbst im Sommer nicht ganz verschwinden. Doch sobald die Straße nach vorne kippt, zeigt der Trollstigen sein wahres Gesicht.

Elf Haarnadelkurven
Vor uns liegen die elf Haarnadelkurven, die sich wie ein gefaltetes Band den Fels hinunterziehen. Von oben sieht man die komplette Linie – jede Kurve, jede Kehre, jede Stelle, an der die Straße am Berg klebt. Der Blick geht weit ins Tal, und der Stigfossen rauscht als weißer Strahl neben der Straße in die Tiefe. Man fährt nicht einfach eine Passstraße hinunter – man fährt in eine Landschaft hinein.
Mit jeder Kurve wird der Fjordarm unten größer, die Berge rücken weiter auseinander, und die Straße wirkt plötzlich gar nicht mehr so dramatisch wie von oben. Die Abfahrt ist technisch einfach, aber optisch überwältigend: Felswände, Wasserfälle, grüne Hänge und dieses Gefühl, dass Norwegen hier einmal alles auf einmal zeigt.



Unten im Tal angekommen, dreht man sich automatisch noch einmal um. Von hier sieht der Trollstigen fast harmlos aus – ein paar Kurven, ein Wasserfall, ein Berg. Erst wenn man oben stand und hinuntergefahren ist, versteht man, warum diese Straße so berühmt ist.
Trollstigen Resort
Nach der Abfahrt über den Trollstigen wirkt das Trollstigen Resort wie ein ruhiger Gegenpol zu all dem dramatischen Fels und Wasser. Der Campingplatz liegt eingebettet zwischen hohen Bergen, direkt am Fluss, und hat dieses typische norwegische Gefühl von Weite und Stille.



Nach einem Tag voller Eindrücke – Tunnel, Fähre, Wasserfälle, Aussichtspunkte, die Abfahrt ins Tal – fühlt sich das Trollstigen Resort an wie ein natürlicher Endpunkt. Nach einer warmen Dusche, ein perfekter Ort, um den Tag zu sortieren und die nächste Etappe zu planen.