Nördliche Alpen Tour 2026 – Zell am See

Dies ist Teil 4 von 4 Teilen der Serie „Reisetagebuch nördliche Alpen 2026“

Unsere letzte Etappe verbrachten wir am Zeller See. Als Basislager diente uns das Seecamp Zell am See. Von dort aus unternahmen wir abwechslungsreiche Ausflüge: Neben der Erkundung von Zell am See selbst besuchten wir die imposanten Krimmler Wasserfälle, die malerische Kirche in Ramsau sowie die Ramsauer Ache im verwunschenen Zauberwald. Weitere Höhepunkte unserer Reise waren der Königssee, der Vordere Gosausee und der Hallstätter See. Die Fahrstrecke von gut 205 Kilometern zu unserem letzten Campingplatz ließ sich für diese abschließende Etappe angenehm bewältigen.

Seecamp Zell am See

Das Seecamp Zell am See (in Prielau) begeistert mit seiner traumhaften Lage direkt am Ufer des Zeller Sees und vereint auf perfekte Weise alpine Bergwelt mit idyllischer Seenlandschaft. Der Campingplatz erstreckt sich über ein großzügiges Areal mit schattenspendenden Bäumen und modernen Stellplätzen für Wohnmobile, Wohnwagen und Zelte. Besucher genießen einen atemberaubenden Panoramablick auf die majestätische Bergkulisse der Hohen Tauern und profitieren vom direkten Seezugang. Im Sommer laden kristallklares Wasser zum Schwimmen und Segeln ein – oder man lässt einfach die Seele baumeln.

Die Ausstattung des Campingplatzes erfüllt höchste Ansprüche: Moderne Sanitäranlagen, ein Mini-Campingshop mit dem Allernötigsten sowie eine einladende gastronomische Einrichtung stehen den Gästen zur Verfügung. Die Region wartet mit zahlreichen Freizeitmöglichkeiten auf. Zell am See erreicht man bequem per Fahrrad oder zu Fuß. Wanderfreunde und Mountainbiker starten direkt vom Campingplatz aus zu unvergesslichen Touren in die beeindruckende Bergwelt. Im Winter verwandelt sich die Umgebung in ein beliebtes Skigebiet – das Seecamp entwickelt sich dadurch zum attraktiven Ziel für Ganzjahres-Camper.

Bei der gehobenen Preisklasse hätten wir uns allerdings gewünscht, dass das Seecamp beide Sanitäranlagen geöffnet zur Verfügung stellt. Besucher waren hierfür genug auf dem Platz. Während unseres Aufenthalts stand uns aber nur das Haupthaus zur Verfügung, das einmal vormittags eine Reinigung erhielt. Zudem waren im Damenbereich Toiletten häufig gesperrt und standen nicht vollumfänglich zur Verfügung. Wir bemerkten, dass die zuständige Reinigungskraft dabei sehr häufig telefonierte, zumindest haben wir sie nur telefonierend gesehen, egal wann wir ins Servicehaus kamen. Eine zügigere Arbeitsweise würde vermutlich ermöglichen, beide Servicehäuser insgesamt in kürzerer Zeit zu betreuen, als sie allein mit dem Haupthaus verbracht hat.

Zudem war es ungünstig, dass Gäste regelmäßig über unseren Eckplatz liefen, um dann festzustellen, dass das Servicehaus, zumindest dessen Sanitärbereich, geschlossen war. Geschirr konnte man außen spülen und der Tagesraum stand nur bis in die frühen Abendstunden zur Verfügung. Auch nachdem die Parzelle neben uns belegt wurde, blieb der Durchgangsverkehr bestehen. Dies beeinträchtigte unseren Wohlfühlfaktor während des Aufenthalts.

Zell am See

Zell am See, malerisch am Ufer des gleichnamigen Zeller Sees im Salzburger Pinzgau gelegen, zählt zu den beliebtesten Ferienorten Österreichs. Die charmante Kleinstadt auf 750 Metern Seehöhe bietet eine einzigartige Kombination aus alpiner Bergwelt und kristallklarem Badesee. Mit rund 10.000 Einwohnern verbindet Zell am See historischen Charme mit modernem Tourismus und ist sowohl im Sommer als auch im Winter ein attraktives Reiseziel.

Ein Wahrzeichen der Stadt ist die Stadtpfarrkirche St. Hippolyt mit ihrem charakteristischen, weithin sichtbaren Kirchturm. Die ursprünglich romanische Kirche wurde erstmals im 8. Jahrhundert urkundlich erwähnt (gegründet als Teil des Klosters) und dem Heiligen Hippolyt geweiht. Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr das Gotteshaus mehrere Um- und Neubauten, unter anderem im gotischen Stil.

Die Schmittenhöhe ist der 1.965 Meter hohe Hausberg, per Seilbahn erreichbar und bietet spektakuläre Aussichten. Eine der schönsten Panoramastraßen der Alpen, die Großglockner Hochalpenstraße, liegt in unmittelbarer Nähe. Eine historische Schmalspurbahn, die Pinzgauer Lokalbahn, verbindet Zell am See mit dem Pinzgauer Umland (Strecke nach Krimml, 760 mm Spurweite, seit 1898). Der mittelalterliche Vogtturm, ein Wehrturm am Stadtplatz, beherbergt heute ein kleines Heimatmuseum.

Am nächsten Tag wollten wir eine ausgiebigere Wanderung machen und haben uns für die Krimmler Wasserfälle entschieden.

Krimmler Wasserfälle

Die Krimmler Wasserfälle im Nationalpark Hohe Tauern zählen mit ihrer Gesamtfallhöhe von 380 Metern über drei Kaskaden zu den höchsten Wasserfällen Österreichs. Gespeist wird die Krimmler Ache von den Gletschern der umliegenden Dreitausender, und da rund 12 Prozent des Einzugsgebiets vergletschert sind, schwankt die Wassermenge stark im Tages- und Jahresverlauf. Im Hochsommer, wenn die Gletscher schmelzen, fließen durchschnittlich etwa 5,6 Kubikmeter pro Sekunde zu Tal, im Februar dagegen kaum mehr als 0,14 Kubikmeter. Weil das Schmelzwasser vom Gletscher bis zu den Fällen rund neun bis zwölf Stunden braucht, liegt das Tagesmaximum des Abflusses zwischen 21 und 24 Uhr – wer abends unterwegs ist, erlebt das Schauspiel also in seiner vollen Wucht, während die Fälle vormittags meist deutlich ruhiger und wasserärmer wirken.

Startet man vom Parkplatz bei den Krimmler WasserWelten, erreicht man nach rund zehn bis fünfzehn Gehminuten auf breitem, anfangs sogar barrierefreiem Weg den Kürsingerplatz auf etwa 1.070 Metern Höhe, direkt am Fuß des Unteren Wasserfalls. Hier stürzt die Wassermasse in ein großes Becken, der Sprühnebel reicht bis auf den Weg, und man steht praktisch in der Gischt – eine Regenjacke ist hier keine schlechte Idee. Von diesem Punkt aus hat man bereits gut 270 Höhenmeter seit dem Parkplatz zurückgelegt.

Von dort führt der Weg in vielen engen Serpentinen weiter bergauf, vorbei an mehr als zehn Aussichtskanzeln, die jeweils ganz unterschiedliche Perspektiven auf die tosenden Wassermassen freigeben. Bekannte Stationen entlang dieses Abschnitts sind unter anderem die Rieman-Kanzel, die Regen-Kanzel – ihr Name ist Programm, hier wird man vom aufsteigenden Sprühnebel besonders nass –, die Sendtner-Kanzel sowie die Jung-Kanzel, dazu kommen Stellen wie der Jagasprung und der Bergersteig. Nach rund 45-60 Minuten Gehzeit ab dem Kürsingerplatz erreicht man auf etwa 1.306 Metern Höhe den Bereich des Mittleren Achenfalls beim Schönangerlboden, wo sich auch das (mittlerweile recht in die Jahre gekommene) Gasthaus Schönangerl befindet. Oberhalb davon liegt ein schöner Platz für eine Rast direkt am Wasser.

Von hier sind es noch einmal etwa 30-50 Minuten bis zur Schettkanzel auf rund 1.460 Metern Höhe, dem höchsten Aussichtspunkt und offiziellen Ende des Wasserfallwegs. Sie liegt unmittelbar an der Abbruchkante des Oberen Achenfalls, der mit 140 Metern die größte Einzelstufe bildet und seine Wassermassen über harten Gneis auf den weicheren Schiefer des Schönangerlbodens stürzen lässt. Insgesamt hat man bis hierher etwa 430 Höhenmeter auf rund vier Kilometern Weglänge überwunden.

Von der Schettkanzel führt eine Brücke über die Krimmler Ache ins Krimmler Achental hinein und auf die gegenüberliegende Talseite. Der Rückweg auf dieser Seite ist deutlich ruhiger als der Hauptweg, da die meisten Besucher denselben Weg zurückgehen, den sie gekommen sind. Von hier aus eröffnen sich noch einmal andere Blickwinkel auf alle drei Fallstufen, bevor man auf der rechten Flussseite wieder talwärts absteigt und zum Ausgangspunkt zurückkehrt.

Eine Besonderheit der Krimmler Wasserfälle ist ihre gesundheitliche Wirkung: Der feine, ionenreiche Sprühnebel wurde in einer klinischen Studie bei asthmakranken Kindern nachweislich als förderlich für die Atemwege bestätigt, weshalb das Gebiet am Fuß der Fälle auch als „Ionenarena“ bezeichnet wird und seit 1967 das Europäische Naturschutzdiplom trägt. Der Wasserfallweg selbst wurde bereits 1900/1901 vom Alpenverein angelegt und ist damit selbst ein Stück Tourismusgeschichte – ursprünglich sogar mit einem Sesselwagen befahrbar konzipiert.

Steinerwirt – keine Empfehlung

Zurück in Zell am See hatten wir keine Lust mehr, selbst zu kochen, so sind wir zum Steinerwirt und wollten echte Hausmannskost genießen. Wir entschieden uns für den Saftgulasch vom Pinzgauer Rind mit Semmelknödel und die Wilderer Pfanne mit Käse überbacken (Hirschwürfel, Speck, Pilze und Spätzle). Während geschmacklich alles zu unserer Zufriedenheit war, so hat der Wilderer wohl beim Saftgulasch nur einen einzigen Semmelknödel auf dem Teller gelassen, sämtliche Pilze aus der Pfanne mitgehen lassen bis auf einen, und die Spätzle waren gerade mal so groß wie kleine Gabelspaghetti und waren unter dem spärlichen Käse kaum zu finden.

Nebst Getränken waren wir mit etwas mehr als 50 € weniger in der Tasche, so hungrig wie zuvor gegangen. Beim Hinausgehen haben wir dann den Wilderer am Nebentisch bemerkt, denn der hatte zu seinem Gulasch mehr als nur einen Knödel auf der Platte. Eine Frechheit und ein Ärgernis, wir können die guten Bewertungen nicht nachvollziehen, wenn man neben dem Geschmack die Randbedingungen mit einbezieht.

Wie gut, dass es in Prielau einen türkischen Imbiss gibt, der uns für wesentlich weniger Geld und sehr lecker den Hunger stillen konnte. Den Imbiss können wir entgegen dem Steinerwirt bedenkenlos empfehlen.

Die Kirche in Ramsau und der Zauberwald

Die Pfarrkirche St. Sebastian in Ramsau ist eines der meistfotografierten Motive der Berchtesgadener Alpen und wohl jedem Bayern-Kalender schon einmal begegnet. Die schindelgedeckte Kirche mit ihrem markanten Zwiebelturm steht unmittelbar am Ufer der Ramsauer Ache, die hier glasklar und reißend an den Mauern vorbeifließt, im Hintergrund erhebt sich das Reiteralpgebirge – eine Kulisse, die seit der Romantik Maler und seit der Erfindung der Kamera Fotografen anzieht. Geweiht ist die Kirche eigentlich den Heiligen Fabian und Sebastian, erbaut wurde sie 1512 und zeigt im Inneren eine spätgotisch-barocke Ausstattung. Die alte Holzbrücke über die Ache direkt neben der Kirche gehört zum klassischen Bildaufbau, ebenso der kleine Friedhof mit seinen schmiedeeisernen Grabkreuzen, durch dessen Tor man oft den schönsten Blick auf den Turm hat.

Von hier führt der Weg, der sogenannte Malerweg, entlang der Ramsauer Ache flussaufwärts. Unterwegs passiert man die Gletschermühlen – runde, vom Wasser über Jahrtausende ausgewaschene Strudellöcher im Fels – und erreicht schließlich die Marxenklamm beziehungsweise Marxenbrücke, an der die eigentliche Zauberwald-Passage beginnt. Der Name ist hier Programm: Moosbewachsene Felsblöcke, knorrige Bäume und das ständige Rauschen der Ache zwischen den Steinen erzeugen eine fast mystische Atmosphäre, die schon Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts inspiriert hat – an mehreren Stellen entlang des Wegs erinnern Infotafeln mit historischen Gemälden daran, wie sich die Szenerie seither verändert hat (oder eben kaum verändert hat).

Der Zauberwald mündet direkt am Westufer in den Hintersee, einen der fotogensten Bergseen der Region, eingerahmt vom Hochkalter und der Reiteralpe. Je nach gewählter Route umrundet man den See ganz oder teilweise; am Nordufer, wo früher nur einzelne Hütten standen, reiht sich heute ein Gasthof an den nächsten, während das Südufer naturbelassener wirkt. Für Spiegelungen der Bergkulisse im Wasser eignen sich vor allem die frühen Morgenstunden, wenn der See noch glatt liegt und kein Wind die Oberfläche kräuselt.

Der Rückweg führt wieder durch den Zauberwald, diesmal meist auf einem etwas anderen Pfad als der Hinweg, sodass man die Felsformationen und das Wasserspiel der Ache noch einmal aus einem anderen Blickwinkel erlebt, bevor man wieder Richtung Ramsau zurückkehrt. Die gesamte Runde – Kirche, Zauberwald, Hintersee und zurück – ist eine der bekanntesten und zugleich kürzesten Touren der Berchtesgadener Alpen, landschaftlich aber ungewöhnlich dicht: Klamm, Märchenwald und Bergsee liegen hier auf engstem Raum beieinander, was sie zu einem beliebten Ziel für Familien und Fotografen gleichermaßen macht.

Der kleine Parkplatz unterhalb des Zauberwalds, von Ramsau kommend, mit Platz für nur zwei bis drei Fahrzeuge, ist ein echter Geheimtipp gegenüber dem meist überfüllten Hauptparkplatz am Hintersee selbst – wer hier einen Platz findet, spart sich nicht nur Parkstress, sondern startet die Runde auch gleich mitten im schönsten Teil des Waldes.

Abstecher Königssee

Der spätere Nachmittag führte noch zu einem Abstecher an den Königssee nach Schönau am Königssee, der vielleicht bekanntesten Postkartenkulisse der Berchtesgadener Alpen: Das smaragdgrüne Wasser des Sees liegt tief eingebettet zwischen den steil aufragenden Felswänden des Watzmann-Massivs, und gleich an der Anlegestelle reihen sich die historischen, denkmalgeschützten Bootshäuser am Ufer auf. Auf eine der Elektroboot-Fahrten über den See, die seit 1909 traditionell mit geräuschlosen E-Booten betrieben werden, haben wir diesmal verzichtet – die Strecke zur Wallfahrtskirche St. Bartholomä mit ihren markanten weinroten Zwiebeltürmen war von einem früheren Besuch im März 2007 bereits bekannt, damals im Rahmen eines anderen denkwürdigen Erlebnisses in der Region: einer Fahrt im Rennbob-Taxi auf der Kunsteisbahn am Königssee, der ehemaligen Olympia-Bobbahn am Fuße des Watzmanns.

So blieb es bei diesem Besuch beim Anblick der Bootshäuser, der Anlegestelle und der Bergkulisse vom Ufer aus – ein entspannter Fotostopp ohne die rund 35-minütige Überfahrt nach St. Bartholomä, von dort aus kann man den berühmten Trompeten-Echo-Effekt an der Felswand erleben.

Da wir hier wieder in Deutschland waren, nutzten wir die Gelegenheit: Cookiedoo wieder einmal mit Autogas zu betanken – ein Vorteil, den wir in Österreich vermisst hatten, da LPG-Tankstellen dort deutlich seltener sind als bei uns.

So ging ein weiterer schöner Tag zu Ende und der nächste ließ nicht lange auf sich warten.

Vorderer Gosausee

Der Vordere Gosausee liegt im Salzkammergut, direkt am Fuß des Dachsteinmassivs. Seine Berühmtheit verdankt er vor allem den Spiegelungen: Bei ruhigem Wasser zeichnet sich das Dachsteinmassiv mit dem Gosaugletscher klar auf der Wasserfläche ab, ein Motiv, das zu den meistfotografierten Bergseen Österreichs zählt. Der See gehört zur UNESCO-Welterberegion Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut und ist Ausgangspunkt für zahlreiche Wander- und Klettertouren in Richtung Gosaukamm und Dachstein.

Direkt über dem Wasser verläuft der Laserer Alpin Klettersteig, ein gut gesicherter Plaisir-Klettersteig der Schwierigkeit B bis C mit rund 420 Klettermetern. Der Einstieg liegt etwa 15 Minuten vom Parkplatz entfernt am Seerundweg, meist auf der nördlichen Uferseite. Der Steig führt zunächst in der sogenannten Nasenquerung knapp über der Wasseroberfläche entlang, bevor er über die Himmelsleiter zu Felsplatten oberhalb des Wegs ansteigt. Durch plattigen Dachsteinkalk geht es weiter zum höchsten Punkt der Route mit Blick auf Gosaugletscher und Hohen Dachstein. Eine Seilbrücke und eine Bügelreihe führen zum sogenannten Adlerhorst, danach bringt eine Rampe Kletterer wieder zurück zum Ausgangspunkt. Erbaut und gepflegt wird der Steig von der Firma Laserer Alpin, im Notfall hilft die Bergrettung unter der Nummer 140. Wer den Steig nicht begeht, findet beim See trotzdem genug zu sehen: Die einfache Rundwanderung um den Vorderen Gosausee bietet schon für sich genommen eindrucksvolle Ausblicke und eignet sich auch für Familien.

Der niedrige Wasserstand hat einen technischen Grund: Der Vordere Gosausee ist trotz seines natürlichen Ursprungs als Gletscherrückzugsee der letzten Eiszeit heute ein Speicher- beziehungsweise Stausee der Kraftwerkskette Gosau. 1907 hoben die ersten Bauarbeiten an dieser Kraftwerkskette den Wasserspiegel um etwa 15 Meter an, wodurch der See heute deutlich mehr Wasser fassen kann als in seinem ursprünglichen, natürlichen Zustand. Jeden Winter senkt die Energie AG den Wasserstand gezielt ab, um Platz für die Schneeschmelze und Niederschläge im Frühjahr zu schaffen – diese künstliche Absenkung erreicht bis zu 86 Prozent der Seetiefe, weshalb der See im Frühjahr regelmäßig wie fast leer aussieht, mit nur einer schmalen Wasserfläche und großen freiliegenden Uferflächen.

Normalerweise füllt sich der See bis zum Sommer durch Schmelzwasser und Regen wieder auf. Im Frühjahr 2026 blieben jedoch größere Niederschlags- und Schmelzwassermengen nach der planmäßigen Winterabsenkung aus, sodass der Wasserstand besonders niedrig ausfiel – genau zu dem Zeitpunkt, an dem wir dort waren. Die Energie AG sieht laut eigener Aussage allerdings keinen Grund zur Sorge und ist bemüht, den See bis zur Hauptsaison im Sommer wieder auf einen ansprechenden Stand zu bringen, da er touristisch sehr bedeutsam ist.

Interessant am Rande: Der Effekt ist kein Einzelfall dieses Jahres. Schon seit Jahrzehnten sorgt der jährliche Frühjahrsanblick des fast leeren Sees regelmäßig für Verwunderung bei Besuchern, die das Phänomen nicht kennen – Stammgäste der Region wissen dagegen, dass sich das Bild bis zum Sommer wieder normalisiert.

Hallstatt und der Hallstätter See

Hallstatt liegt nur einen Katzensprung vom Gosausee entfernt und so haben wir hier noch einen kleinen Bummel durch die Sträßchen gemacht. Der Hallstätter See ist mit einer Fläche von rund 8,55 Quadratkilometern und einer Tiefe von bis zu 125 Metern einer der markantesten Seen des Salzkammerguts. Er liegt eingebettet zwischen steilen Felswänden, das Ortsbild von Hallstatt drängt sich förmlich zwischen Berghang und Ufer und gilt als eines der fotogensten Dorfpanoramen Europas – so bekannt, dass eine chinesische Stadt in der Provinz Guangdong den Marktplatz von Hallstatt originalgetreu nachgebaut hat.

Die Geschichte des Orts reicht außergewöhnlich weit zurück: Bereits vor rund 7.000 Jahren begann hier die Salzgewinnung, und vor etwa 5.000 Jahren siedelten Menschen dauerhaft im Hochtal über dem See. Die Funde aus dem prähistorischen Gräberfeld der älteren Eisenzeit waren so bedeutend, dass eine ganze europäische Kulturepoche nach Hallstatt benannt wurde, die sogenannte Hallstattzeit. Das Salzbergwerk am Salzberg gilt als das älteste der Welt, ist allerdings noch bis Sommer 2026 wegen Umbauarbeiten an der Salzbergbahn und am Skywalk geschlossen. Als Ersatz bietet Hallstatt derzeit einen Shuttle-Service zu den Salzwelten Altaussee an.

Sehenswert bleibt trotzdem genug: Das Beinhaus bei der katholischen Kirche ist weltweit einzigartig, und die Uferpromenade entlang des Sees bietet immer wieder neue Blickwinkel auf die Häuserzeile am Hang. Wissenschaftlich ist der See ebenfalls von Bedeutung – aktuelle Sedimentbohrungen liefern Forschern detaillierte Einblicke in 7.000 Jahre Klima- und Siedlungsgeschichte der Region und gehören zu den am besten erhaltenen Umweltarchiven Europas.

Heimreise und Boxenstopp

Am Abend vor unserer Heimreise haben wir dann noch einmal ein Alpenglühen erleben dürfen. Ein schöner Abschied und Abschluss unserer zwei Wochen entlang der nördlichen Alpen.

Eine Kleinigkeit muss ich jedoch noch loswerden. Während wir auf unseren Ausflügen nur vereinzelt ein paar Regentropfen abbekamen, so hat es wohl für Cookie einen guten Regenschauer auf dem Seecamp gegeben. Leider hatten wir wieder Wasser im Türbereich. Aber! Wir konnten die Stelle ausmachen, wo das Wasser seinen Weg genommen hat.

Die letzte Stelle sozusagen – die Seitentüre hat wie bei herkömmlichen Wohnwagen üblich an der Seitenwand einen Feststeller, um die Türe aufzuhalten. Der Feststeller war lose und daran lief das Wasser über die Schrauben ins Innere. Wie bereits hier berichtet, hat uns das tolle Team bei Niva Power auch diese letzte Stelle abgedichtet.

Zugleich haben wir das Schloss an der Heckklappe tauschen lassen, denn dies funktionierte nach der Bedarfsreparatur – ich berichtete hier darüber – nur bedingt. Nun, ich klopfe auf Holz, sind alle bisher bekannten Baustellen endlich und hoffentlich erledigt. Schlussendlich werde ich es wohl erst auf der kommenden Tour herausfinden (wenn es denn Regen gibt während der Fahrt).

Die nächste kurze Reise ist ein verlängertes Wochenende, dann heißt es Cookie on tour in den Niederlanden nach Kinderdijk zu den historischen Mühlen. Eine bezaubernde Fotolocation.

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