Nördliche Alpen Tour 2026 – Bodensee

Dies ist Teil 1 von 1 aus dem Reisetagebuch nördliche Alpen 2026

Am 25. April starteten wir unsere nächste Reise, die wir „Nördliche Alpen Tour“ nannten – zwei Wochen lang hielten wir uns nördlich der Alpen auf. Unser erstes Ziel für die ersten vier Nächte widmeten wir dem östlichen Bodensee. Ende April erwies sich als idealer Zeitpunkt: Die Temperaturen erlaubten bereits T-Shirt und kurze Hosen, und die Touristenströme hielten sich noch in Grenzen. Wie es in der Hochsaison zugeht, wollen wir uns lieber nicht vorstellen. Abgesehen vom Wochenende rund um den ersten Mai waren die Campingplätze nicht restlos ausgebucht, aber teils gut gefüllt.

Anreise zum Bodensee

Die Anreise mit Cookiedoo und Cookie verlief entspannt. Es hat sich bewährt, zwischen drei und vier Uhr morgens aufzubrechen, beim ersten Tankstopp eine Frühstückspause einzulegen und so dem Berufsverkehr zu entgehen.

Planung

Diesmal planten wir etwas gründlicher als sonst. Ein Blick auf die Campingplatz-Websites zeigte uns schnell: Vorbuchen lohnt sich. Von je zwei Alternativen pro Ort war an zwei Stationen nur noch die Zweitwahl verfügbar – diese aber glücklicherweise noch nicht ausgebucht.

Von historischen Pfahlbauten über prachtvolle Kirchen bis zur berühmten Blumeninsel Mainau – der Bodensee sollte sich von seinen schönsten Seiten zeigen. Für die Planung nutzte ich meine selbst entwickelte Tap-Forms-Pro-Datenbank und wollte sie im Praxistest prüfen. Eine Datenbank zu entwerfen und mit Skripten nutzerfreundlich zu gestalten ist eine Sache – damit im Alltag zu arbeiten eine andere.

Die vier Reiseabschnitte teilte ich in einzelne Reisetage auf und suchte für jeden Abschnitt verschiedene Ziele heraus: Wanderungen, Radtouren, Sehenswürdigkeiten und Interessantes. So konnten wir vor Ort spontan entscheiden, worauf wir Lust hatten. Dass vier Tage kaum ausreichen würden, um alles zu sehen, war uns von Anfang an klar. Aber lieber zu viele Optionen als am Ende ratlos dastehen.

Stellplatz Gitzenweiler Hof
Campingpark Gitzenweiler Hof als Ausgangsbasis

Campingpark Gitzenweiler Hof als Ausgangsbasis

Unsere Zweitwahl für die Übernachtungen am Bodensee fiel auf den Campingpark Gitzenweiler Hof – und diese Entscheidung bereuten wir keine Sekunde. Der Platz liegt ideal zu Lindau und bietet den perfekten Ausgangspunkt für Ausflüge rund um den östlichen Bodensee. Innerhalb weniger Minuten erreicht man sowohl den See als auch das malerische Lindau. Dank der kostenlosen Bodenseekarte, die im Campingpreis enthalten war, fuhren wir mit dem öffentlichen Linienbus – der alle 30 Minuten fährt – sogar kostenlos und schnell dorthin.

Der Campingpark überzeugte uns mit seiner gepflegten Anlage und modernen Ausstattung. Die Sanitäranlagen waren blitzsauber und gut ausgestattet. Cookie fand einen schönen Stellplatz, und wir hatten genug Platz, draußen zu sitzen und den Abend ausklingen zu lassen. Die Atmosphäre war entspannt und familiär. Trotz lebhaftem Kinderprogramm und Musik kehrte am Abend Ruhe ein, sodass wir den Aufenthalt in vollen Zügen genießen konnten.

Besonders praktisch: die gute Infrastruktur des Parks. Ein kleiner Shop versorgte uns morgens mit frischen Brötchen, und die Rezeption gab hilfreiche Ausflugstipps. Für unsere Ansprüche war der Gitzenweiler Hof genau richtig – und im Nachhinein klar die bessere Wahl gegenüber dem Platz direkt in Lindau.

Sonnensegel für Cookie

Gleich am ersten Tag der Ankunft am Bodensee stand noch ein praktischer Einkauf auf dem Programm. Hintergrund: Unser normales Tarp hatte ich nicht eingepackt, denn ein solch schönes Wetter hatte ich nicht erwartet. Auf dem Gitzenweiler Hof hatte uns der 24-Stunden-Selbstbedienungskiosk zwar neugierig gemacht – Sonnensegel hatte er jedoch nicht vorrätig. Im ausliegenden Katalog fanden wir zwar ein passendes Modell, das sich in die Kederschiene einziehen lässt, doch knapp 150 € und eine Lieferzeit, die unseren Aufenthalt überschritten hätte, überzeugten uns nicht.

Ein kurzer Blick ins Internet verriet: Am Bodensee gibt es eine Filiale von Camping Fritz Berger (Eriskirch) – und die steuerten wir kurzerhand an. Dort lagen die Preise schon deutlich besser: Das Kederschienen-Sonnensegel war für knapp 99 € zu haben. Dann aber der Blick auf die Packmaße – und das Gewicht von fast 8,5 kg. Für mich ein klares No-go. Bei einem Tiny-Camper wie Cookie zählt jedes Gramm.

Doch direkt daneben lag eine leichtere Alternative: das Berger Vela UV Tarp (Affiliate-Link) mit UV-Schutz 50. Knapp 2 kg, kompakt verpackt – und für gerade mal 45 € zu haben. Die Entscheidung fiel sofort. Auf dem Campingplatz stellte sich heraus: eine gute Wahl. Die Qualität überzeugt, der UV-Schutz tut seinen Dienst, und dank des geringen Gewichts lässt es sich auch alleine problemlos auf- und abbauen. Die mitgelieferten Abspannseile und Heringe habe ich gegen eigene ausgetauscht – aber das ist Geschmackssache und kein Kritikpunkt am Tarp selbst.

Stellplatz Gitzenweiler Hof
Cookie mit neuem Sonnensegel

Pfahlbauten Uhldingen

Unser erstes großes Ausflugsziel waren die Pfahlbauten in Uhldingen. Das UNESCO-Welterbe faszinierte uns schlicht als Fotomotiv. Die Fahrt mit Cookiedoo dauerte etwa 20 Minuten. Wir parkten oberhalb von Uhldingen am Sportplatz und fuhren mit dem Klapp-E-Bike ins Städtchen hinunter. Am Parkplatz kontrollierte ein Beamter bereits die Parkscheine.

Fahrradverbotszone

Rund ums Freilichtmuseum und am Bodenseeufer von Uhldingen gilt ein Fahrradverbot – Räder müssen geschoben werden. Bei der Ankunft hielten wir uns daran. Auf dem Rückweg war ich jedoch noch ganz in Gedanken bei den Pfahlbauten und stieg einfach auf. Keine drei Meter gefahren, sah ich am Ende des Weges denselben Polizeibeamten, der oben schon die Parkscheine geprüft hatte.

Sofort stieg ich ab und schob. Er fragte freundlich, ob ich wüsste, warum er hier stehe. Ich sagte wahrheitsgemäß, ich könne es mir gut vorstellen, und erklärte, dass ich das Fahrradverbot schlicht vergessen hatte. Er ließ es bei einer Ermahnung – nicht ohne den Hinweis, dass das Befahren der Verbotszone pro Person 55 € kosten kann. Dabei misst die Strecke zwischen Museum und Straße gerade mal 50 Meter.

Freilichtmuseum

Das Freilichtmuseum ist eindrucksvoll konzipiert. Durch das moderne Museumsgebäude mit seiner umfangreichen Ausstellung gelangt man zunächst in einen kleinen Raum, der wie ein Tauchausrüstungsraum gestaltet ist. Dann beginnt die Show: Man lauscht zwei Wissenschaftlern, die sich für einen Tauchgang im Bodensee rüsten. Im nächsten Raum versetzt einen eine Videoinstallation unter Wasser – man hört und sieht die beiden Taucher und erfährt hautnah viel über Entdeckung und Geschichte der Pfahlbauten.

Nach dieser gelungenen Einleitung tritt man ins Freie, wo das Museumspersonal einen begrüßt. Über Stege erreicht man die verschiedenen Pfahlbauten auf Plattformen im Wasser. Die liebevoll rekonstruierten Häuser zeigen authentische Nachbildungen von Werkzeugen, Waffen und Alltagsgegenständen. Man bekommt ein echtes Gefühl dafür, wie Menschen vor 6.000 Jahren am Bodensee lebten – und die Bauten stammen sogar aus drei verschiedenen Epochen.

Besonders faszinierend fanden wir die Erklärungen zur Bauweise und zu den archäologischen Funden der Region. Die besonderen Bedingungen des Bodensees konservierten organische Materialien, die anderswo längst verrottet wären – so konnten wir Originale von Textilien, Netzen und sogar Nahrungsresten bestaunen. Nach etwa zwei Stunden verließen wir das Museum mit vielen neuen Eindrücken und deutlich erweitertem Wissen.

Wallfahrtskirche Birnau Bodensee

Von den Pfahlbauten war es nur ein Katzensprung zur Wallfahrtskirche Birnau, die majestätisch auf einem Hügel über dem Bodensee thront. Die Lage ist spektakulär: Von dort oben hat man einen atemberaubenden Blick über den See und die umliegenden Weinberge. Cookiedoo parkte auf dem Parkplatz unterhalb der Kirche, während wir den kurzen Aufstieg zum barocken Juwel antraten.

Da wir nur kurz schauen wollten, war das Parken kostenlos – für die ersten 30 Minuten, aber Ticket lösen nicht vergessen!

Die Basilika ist ein Meisterwerk des süddeutschen Barocks. Schon das rosafarbene Äußere beeindruckt, doch das Innere verschlägt einem die Sprache – Fotografieren leider verboten. Deckengemälde, Stuckaturen, der prachtvolle Hochaltar: Jedes Detail zeugt von unglaublicher Kunstfertigkeit. Berühmt ist der sogenannte „Honigschlecker“, eine Putte, die an einer Bienenwabe nascht – den haben wir allerdings glatt übersehen.

Mit vielen Fotos der Pfahlbauten und einigen Außenaufnahmen der Kirche im Gepäck fuhren wir zurück zu Cookie und ließen den Tag auf dem Campingplatz mit einem kleinen Spaziergang ausklingen.

Blumeninsel Mainau

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Blumeninsel Mainau. Statt mit Cookiedoo dorthin zu fahren, wählten wir die romantischere Option: eine Schifffahrt ab Lindau. Die Überfahrt war bereits ein Erlebnis – an Bord genossen wir den frischen Wind und den Blick auf die vorbeiziehenden Ufer.

Die Fahrtzeiten hatten wir allerdings unterschätzt. Besser wäre es gewesen, mit dem Auto bis Meersburg zu fahren und von dort die kurze Bootsverbindung nach Mainau zu nehmen – so hätten wir mehr Zeit auf der Insel gehabt.

Mainau empfing uns mit überwältigender Blütenpracht. Im April standen die Tulpen noch in voller Blüte – Tausende in allen erdenklichen Farben schufen ein wahres Blütenmeer, ergänzt durch Narzissen, Hyazinthen und viele andere Frühjahrsblüher. Wir schlenderten durch die Gartenbereiche und konnten uns kaum sattsehen.

Neben den Blumen bot die Insel noch mehr: Im Palmenhaus lief gerade eine Orchideenschau mit über 3.000 Exemplaren, danach besuchten wir das Schmetterlingshaus, wo exotische Falter in allen Größen und Farben um uns herumflatterten. Für das barocke Schloss und die Kirche reichte die Zeit leider nicht. Am Hafen warteten wir auf das Rückschiff – und stellten dabei fest, dass wir den Fahrplan falsch gelesen hatten: Die Schnellbootverbindung nach Lindau gilt erst ab Sommer, nicht schon im Frühling. Zurück in Lindau fanden wir noch etwas zu essen und nahmen dann den Bus zurück zum Campingplatz, wo Cookie auf uns wartete.

Spaziergang am Abend
Ein kleiner Pfad, in der Nähe des Campingplatzes, ich glaube der hieß „Ponyrunde“

Ein kleines Instrument für große Abende

Bevor es zum nächsten Highlight ging, hatten wir noch ein anderes ganz bestimmtes Ziel: wir wollten eine Ukulele für Cookie. Ob das Music House in Lindau welche führt, wussten wir nicht genau – aber die Hoffnung hat sich gelohnt. Die Beratung war kompetent und sympathisch, sodass wir schnell fündig wurden.

Auf unseren Wunsch hin bespannte man uns die Ukulele gleich mit einer Gitarren-D-Saite als Low-G-Saite – das gibt einen wärmeren, volleren Klang. Dazu gab es noch eine Tasche und zwei Plektren. Seitdem ist sie fester Bestandteil der Cookie-Crew und reist von nun an bei jeder Tour mit. Ob ein ruhiger Abend im Camper oder ein knisterndes Lagerfeuer – jetzt können wir die Musik auch selbst in die Hand nehmen.

Scheidegger Wasserfall

Am dritten Tag wollten wir eine Pause vom Bodensee und fuhren mit Cookiedoo zum Scheidegger Wasserfall im nahen Allgäu. Die Fahrt führte uns durch malerische Landschaften und kleine Dörfer – nach etwa 40 Minuten erreichten wir Scheidegg. Der Wasserfall liegt in einem idyllischen Tobel etwas außerhalb des Ortes, und schon vom Parkplatz hörten wir das Rauschen des Wassers.

Der Weg führt zunächst eine Zufahrtstraße hinunter zum Eingang – der Eintritt ist kostenpflichtig. Die Natur entschädigte uns jedoch vollauf: moosbewachsene Steine, plätschernde Bäche, Waldduft. Nach etwa 15 Minuten erreichten wir den ersten Wasserfall, wo der Rickenbach über die erste Stufe in die Tiefe stürzt.

Weiter unten wartet der zweite Wasserfall – noch spektakulärer. Rund 40 Meter tief fällt das Wasser und erzeugt dabei einen feinen Sprühnebel, der im Sonnenlicht glitzert. Mehrere Aussichtsplattformen bieten verschiedene Perspektiven auf das Naturschauspiel. Wir verbrachten eine gute Stunde an diesem magischen Ort. Der Ausflug war eine perfekte Ergänzung zum Bodensee-Programm.

Lindau – Bodensee

Den Abschluss unserer Bodensee-Etappe bildete ein ausgiebiger Bummel durch Lindau. Schon die berühmte Hafeneinfahrt mit Löwe und Leuchtturm ist ein Postkartenmotiv, das man einfach gesehen haben muss. Der Hafen selbst summte vor Leben: Schiffe, Segler, flanierende Touristen.

Die Altstadt ist ein Schmuckstück. Bunte Fassaden, historische Gebäude und verwinkelte Gassen luden zum Entdecken ein. Wir schlenderten durch die Maximilianstraße, bewunderten das alte Rathaus mit seinen Fresken und ließen das mediterrane Flair auf uns wirken. An jeder Ecke gab es etwas zu entdecken – ein schöner Innenhof hier, ein gemütliches Café dort.

Die Uferpromenade direkt am Wasser war besonders schön. Wir setzten uns auf eine Bank, ließen die Beine baumeln und schauten den ein- und ausfahrenden Schiffen zu – mit den Alpen als Kulisse im Hintergrund. Nach einem Eis in einer der Eisdielen schlenderten wir zur Bushaltestelle, kehrten kurz noch einmal beim Kebabladen von gestern ein und ließen Lindau hinter uns. Die Stadt hatte uns mit ihrem Charme verzaubert.

Unser viertägiges Abenteuer am Bodensee verging viel zu schnell. Steinzeitliche Pfahlbauten, barocke Kirchen, blühende Gärten, tosende Wasserfälle und malerische Städte – der Bodensee überzeugte uns mit seiner ganzen Vielfalt. Der Campingpark Gitzenweiler Hof war dabei die perfekte Basis. Und doch: Die Region hat noch so viel mehr zu bieten. Doch unsere nächste Etappe im Allgäu wartete bereits.

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